Khajuraho in Madhya Pradesh
Ein bebilderter Reisebericht von Uta Kubik-Ritter. Mehr aus ihrer Feder unter www.kuris-reisen.de.
Sollte
ich einen Ort nennen, der den größten Eindruck bei mir hinterlassen hat, so würde
ich ganz spontan diese Tempelstadt nennen. Vor mehr als 1000 Jahren haben an
dieser Stelle begnadete Künstler Bauten, Skulpturen und Wandreliefs geschaffen,
die ihresgleichen suchen.
Bewundernswert sind die feinen, bis ins kleinste Detail naturgetreu
ausgearbeitete Kunstwerke. Was für hervorragende Handwerken mussten das gewesen
sein, die mit den damaligen - sicherlich - einfachen Werkzeugen so umgehen
konnten.
Die
Herrscher der Chandella-Rajputen haben zwischen 950 und 1020 diese
Tempel erbauen lassen. Teilweise waren die Heiligtümer nur für den
Chandella-Clan offen. Das Volk hatte zu einigen Gebetsstätten keinen Zutritt.
Waren es zur Zeit der Erbauung rund 85 (aus historischen Quellen stammende Zahl)
Tempel, so sind es heute nur noch 25, die die Jahrhunderte überdauert haben.
Es werden keine Messen oder Gottesdienste - wie wir sie kennen - abgehalten. Jeder Gläubige hält schweigend und für sich Zwiegespräche mit seinem Gott. Ein Tempel neuerer Zeit symbolisiert das Nebeneinander der drei Religionen Indiens: Hinduismus, Buddhismus und Islam .Die Tempel liegen weit verstreut in einer großen parkähnlichen Anlage. Gepflegte Wege, blühende Blumen und alte, ehrwürdige Bäume laden zum Verweilen ein. Die Sonne scheint, und wir sitzen einfach so unter einem dieser unzähligen Baumriesen. Lassen das Leben und Treiben an uns vorbei ziehen.
Zugegeben,
wenn man diese Bilder sieht, kommt einem unwillkürlich der Gedanke, es handele
sich um pornografisch angehauchte Skulpturen.
Berücksichtigt man den Zeitgeist damaliger Jahrhunderte, die hohe Kultur und
die tiefe Religiosität, so wird man begreifen, was die Kunstwerke darstellen
sollen: nämlich das bürgerliche und höfische Leben dieser Epoche. Ein sehr gläubiger
Mann, ein Mönch nämlich, war es, der das Kamasutra schrieb. Obwohl
schon über 1000 Jahre alt, ist das Buch an manchen Stellen noch sehr modern.
Es war in vielen Dingen seiner Zeit voraus.
Wir kamen mit einem Inder ins Gespräch, der uns folgende Geschichte erzählte: Die Tatsache, dass Indien lange Jahrhunderte von anderen Kulturen und Völkern unterdrückt wurde, lässt heute den Eindruck aufkommen, dass Indien rückständig sei. Doch “sein” Land hat eine viel ältere Kultur als mancher Staat der übrigen Welt. Toleranz, Gleichberechtigung und persönliche Freiheiten waren damals stark ausgeprägt.
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