Leh in Jammu & Kashmir
Ein bebilderter Reisebericht von Markus Klein. Mehr aus seiner Feder unter www.klein-ist-die-welt.de.
Teil 1
Freitag 07.05.1999 - Flug nach Leh
Unsere Tickets sind "confirmed", 2
Touristen die nach uns gekommen sind, sind rausgeflogen, da ihre Plätze überbucht
waren. Check in OK, Ready to start, endlich! Eine Woche keinen Hotelwechsel und
halbwegs sauberes Wasser.
Flugzeug? Wohl eher Blechbüchse! Motto: "Service, egal, wir sind die
einzige Airline auf der Strecke, wer hier fliegen will, fliegt mit uns!"
Eine Startbahn braucht man auch nicht, man kann auch um die Ecke starten und in
der Kurve beschleunigen. Doch wir waren heil froh überhaupt starten zu können.
Dann
werden wir aber für unsere Strapazen belohnt, ein toller Ausblick über die
Berge. Wahnsinn! Nächster Schock, ich schlage die Zeitung auf und lese
"...Srinagar 2.kältester Ort ..." das tolle an der Sache, Leh liegt
ungefähr 3000 Meter über Srinagar. Anton freut sich, dass er eine dicke Jacke
dabei hat und ich freue mich, dass ich robuste Schuhe habe. Doch bei der Landung
dann erst einmal Entwarnung, denn die Durchsage kommt 6°C, kein Schnee. Das
muss man sich erst einmal geben, 3 Wochen 40 -50° C und nun auf einmal 6°C.
Mein Ziel für diesen Tag: dicke Sachen kaufen, doch das hat sich erübrigt,
denn so kalt ist es eigentlich gar nicht. Am Flughafen haben wir gleich einen
deutschen Traveller getroffen der schon seit Jahren mit seiner Freundin
unterwegs ist. Die beiden leben allein von der Miete die das Haus in Deutschland
einbringt und haben jährlich Kosten von ca. 6000.-DM zusammen.
Am Anfang sind wir ein wenig herumgezogen
(Hotelsuche), doch dann sind wir seinem Rat gefolgt und auch in das Chospa
eingezogen. Erst dachten wir, kein Problem ohne Strom, doch dann ist uns gedämmert,
kein Strom kein fließend Wasser. Don't worry - Chicken Curry! Danach haben wir
uns mehr schlecht als recht durch Leh geschleppt, denn 3600 Meter Höhe sind
ganz schön gewöhnungsbedürftig, aber die Menschen hier oben sind ganz anders,
keiner will uns irgendetwas andrehen. Per Zufall haben wir ein Treffen
buddhistischer Mönche gefunden und wurden auch gleich zum Buttertee eingeladen,
ohne Donation. Um 13 Uhr sind wir zurück ins Hotel und haben unseren deutschen
Freund wieder getroffen. Eine faszinierende Person, der Mann hat ein
Allgemeinwissen, das ist unvorstellbar. Er war fast schon überall und man könnte
stundenlang mit ihm erzählen.
Am Abend waren wir noch Essen und sind danach durch das stockdunkle Leh ins
Hotel zurück.
Samstag 08.05.1999
Um 7 Uhr klopft es an die Tür, unsere Dusche
ist fertig. Ein Eimer warmes Wasser. Ansonsten alles saukalt. Ab heute läuft
die Uhr rückwärts, 20 Tage liegen hinter uns und nur noch 19 vor uns.
Wir wollen auf 5000 Meter und Anton will unbedingt einen Yack sehen, das alles
haben wir für Mittwoch geplant.Mit dem Bus sind wir heute nach Staknah
gefahren, doch hier war alles dicht verrammelt, da wahrscheinlich ein Großteil
der Mönche zur Puja in Leh ist und uns ansonsten keiner herumführen konnte.
Also sind wir mit einem flauen Gefühl im Bauch
nach Tikse gefahren, denn dass es da besser aussehen würde glaubte keiner von
uns. Auch hier waren fast alle ausgeflogen, doch wenigstens ein Mönch erklärte
sich bereit uns ein wenig herum zu führen.. Shey haben wir ausgelassen und sind
nach Choglamsar gefahren. Hier ist ein tibetisches
Flüchtlingscamp und ein SOS Kinderdorf, leider waren beide geschlossen, so dass
wir weiter mussten. Im Bus allerdings wurden wir dann von Schulmädchen
angesprochen, die ursprünglich aus Tibet kommen und während sie uns
ausquetschte, erklärten sie uns, dass sie aus Deutschland gesponsert werden,
sprich dass ihre Schule größtenteils aus Deutschland finanziert wird.
Sonntag 09.05.1999
Heute war ein absolut beschissener Tag. Wir sind
heute morgen um 4:45 Uhr aufgestanden und wollten Kloster extrem Tour machen,
doch zuerst hatte ich nur Magenprobleme und dann kam auch noch Fieber hinzu. Das
alles endete darin, dass ich mich auf das Klo verzogen habe und Anton durch Leh
gewandert ist. So ziemlich jeder Mönch ist momentan in Leh zum Beten, so dass
wir Glück im Unglück hatten, denn die Gompas wären eh zu gewesen.
Mittlerweile geht es mir auch wieder besser, ich
denke es liegt einfach an der Höhe und meine Übelkeit ist ein Resultat der Höhenkrankheit
und der damit verbundenen Kreislaufschwäche.
Das Wetter wird schlechter und wir denken, dass wir zu einer ungünstigen Zeit
gekommen sind, denn der Dalai Lama kommt 4 Tage nach unserem Abflug und das ist
doch etwas ärgerlich. Wir haben noch 18 Tage, doch an Tagen wie diesen wünsche
ich mir, wir wären schon wieder zu Hause, denn es ist einfach ärgerlich unsere
wenigen Tage so zu vergeuden.
Montag 10.05.1999 Leh
Es
geht mir besser!
Heute waren wir zu erst bei einer Puja in Leh
und Anton hat einem Jogi Tücher umgelegt, was aber nicht so der Gewinn war,
denn dieser Jogi hat ihn nicht so sehr beachtet.
Danach sind wir in das "Tibetian Refugee Camp" und das "SOS
Kinderdorf" gefahren, hier haben wir auch unsere Mädels wieder getroffen,
die uns dann überredet haben, sie nach Spitok mit zu nehmen und mit ihrem
Klassenlehrer zu reden, damit sie schulfrei bekommen. Sie haben schulfrei
bekommen!
Der Tag war eigentlich ganz nett, bis auf meine Kopfschmerzen, Magenprobleme...
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